Subscribe

Archive for January, 2013

Amnesty informiert: Aktiv gegen Zwangsräumungen – Amnesty-AktivistInnen fahren nach Rumänien

January 25, 2013 By: Gruppe08 Category: Allgemein Comments Off on Amnesty informiert: Aktiv gegen Zwangsräumungen – Amnesty-AktivistInnen fahren nach Rumänien

Im Dezember 2012 fahren Amnesty-AktivistInnen aus Österreich nach Rumänien. Ihr Ziel: Cluj-Napoca, wo zwei Jahre zuvor 76 Roma-Familien rechtswidrig aus ihren Häusern vertrieben worden sind. Bani Kastl von der Linzer Amnesty Gruppe 8 ist einer dieser AktivistInnen.

Eine Sendung für alle, die immer schon wissen wollen, was mit ihren Unterschriften passiert, nachdem sie bei uns einen Appellbrief unterzeichnet haben! In Österreich wurden 5400 Unterschriften für die Familien in Cluj-Napoca gesammelt, die nun von AktivistInnen dem Bürgermeister übergeben werden sollen. Wir informieren über die Hintergründe der Zwangsräumung und begleiten die AktivistInnen auf ihrer Reise. Wie sieht es in der Siedlung am Stadtrand heute aus? Wie geht es den Betroffenen? Was macht die Politik vor Ort? Wir zeigen, wie Amnesty sich vor Ort für die betroffenen Familien einsetzt und wie diese selber für ihre Rechte kämpfen. Bani Kastl von Linzer Amnesty-Gruppe 8 ist zu Gast im Studio und berichtet von seinen Erfahrungen.

Gestaltung: Sarah Berger, Bani Kastl (Interviews in Rumänien), Moderation: Martin Walther

Zum Stream/Download über unserer Radioseite.

ACHTUNG: eine vollständige Version der Sendung (mit Musik!) ist am Samstag, den 26.1.2013 von 13-14 Uhr auf Radio Proton zu hören!

 

Das Gruppe 8 – Radioteam

 

 

Segregation von Roma-Kindern im tschechischen Schulwesen

January 16, 2013 By: Gruppe08 Category: Allgemein Comments Off on Segregation von Roma-Kindern im tschechischen Schulwesen

18 tschechische Kinder klagten im Jahr 2000 gegen ihre Regierung. Der Grund dafür: Benachteiligung im Bildungssystem. Was für Amnesty International ist bei dieser Klage von Bedeutung ist, ist der Umstand, dass die Kinder alle zur Roma-Gemeinschaft gehören. Sie wurden in Sonderschulen für Schüler und Schülerinnen mit „leichten geistigen Schwächen“ geschickt, um nach einem reduzierten Lehrplan unterrichtet zu werden.

Sieben Jahre später befand der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Tschechische Republik für schuldig, Roma-Kinder im Schulsystem zu diskriminieren. Doch es änderte sich nichts.

Ein Beispiel einer solchen Geschichte ist Kristian. Er ist der Bruder einer der Kläger. In der vierten Volksschulklasse hatte er Probleme mit dem Lehrplan. Er kam nicht ganz damit zurecht. Daraufhin attestierte ein Psychologe, dass Kristian „leichte geistige Schwäche[n]“ hatte. Dieser Psychologe riet seiner Mutter, Kristian in eine Sonderschule zu schicken. Es wurde keine andere Option angeboten. Der Psychologe, sowie die Schule, verweigerten jegliche Unterstützung in seiner bisherigen Schule.

Nicht nur Kristian hat solche Probleme. Tausende von Roma-Kindern in Tschechien leben mit der gleichen Diskriminierung. Sie besuchen Sonderschulen weil sie von Psychologen als „langsam“ bezeichnet werden.

2007 erklärte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte diese Behandlung für illegal und eine Verletzung des Grundrechts auf Bildung. 5 Jahre später hat sich jedoch in Tschechien noch nichts geändert. Die Regierung wurde zwar verpflichtet, die diskriminierenden Maßnahmen zu beenden, doch es ist nichts anders geworden. Die Roma-Kinder bekommen immer noch keinen gleichen Zugang zu Bildung. Das einzige, was sich geändert hat, ist, dass die Schulen nicht mehr „Sonderschulen“ sind, sondern „Praktische Schulen“. Die Roma-Kinder sind in diesen Schulen immer noch überrepräsentiert.

 

 

Roma-Kinder benötigen oft spezielle Unterstützung und Aufmerksamkeit da sie oft sozial benachteiligt sind. Diese wird ihnen in Schulen aber nicht gegeben. Es scheint einfacher, diese Kinder in Sonderschule zu geben. Es gibt Schulen, die fast ausschließlich von Roma besucht werden. Hier ist die Qualität der Ausbildung signifikant niedriger als anderswo. Wenn Roma-Kinder in eine Klasse kommen, die nicht ausschließlich von Roma besucht wird kommt es häufig vor, dass die Klassen getrennt werden und die Roma-Kinder in anderen Klassenzimmern unterrichtet werden.

Die Rechte der Roma-Kinder werden noch immer missachtet.

Gehen sie zu diesem Link um einen Brief an die tschechische Regierung zu schicken.

Angelika Strohmayer

 

 

Amnesty Österreich in Cluj Napoca (Rumänien): Unsere Gruppe war dabei

January 02, 2013 By: Gruppe08 Category: Allgemein Comments Off on Amnesty Österreich in Cluj Napoca (Rumänien): Unsere Gruppe war dabei

Am 17. Dezember 2010 hatte in Cluj-Napoca (Klausenburg, Siebenbürgen) eine Zwangsräumung stattgefunden: Bei klirrender Kälte (−20 °C) waren, nach einer Ankündigung erst am Tag vorher, 76 Roma-Familien aus ihren Wohnstätten nahe des Zentrums der Stadt vertrieben worden. 40 Familien wurden in die Siedlung Pata Rap in neue Häuser gebracht: ein Raum mit 16 bis 18 m² Wohnfläche pro Familie, Sanitäranlagen für jeweils vier Familien gemeinsam. Die Häuser waren neu gebaut, also feucht und kalt, die Sanitärräume nicht fertig. Die restlichen Familien kamen bei Verwandten unter oder erhielten (zu wenig) Baumaterial, um sich selbst vor Ort etwas zu bauen.

Da bei uns in Österreich diese Zwangsräumung Teil unserer Arbeit war (wir hatten bei Informationsständen Unterschriften gesammelt, aber auch Briefe geschrieben), fuhr am Sonntag, dem 16. Dezember, eine bunt gemischte Gruppe von zwanzig österreichischen Amnesty-Aktivistinnen und -Aktivisten mit einem Bus nach Rumänien, wo wir gegen Abend ankamen. Am nächsten Tag wurde uns bei einem Einführungsgespräch noch einmal die ganze Tragweite dieser Zwangsräumung bewusst: schlimme Wohnverhältnisse, kaum Infrastruktur in der neuen Siedlung, weit weg vom Stadtzentrum, von Bus, Schule und Arbeitsplatz.

Am Abend nahmen wir an einer großen Öffentlichkeitsaktion beim Rathaus der Stadt teil, gemeinsam mit Betroffenen, anderen NGOs und Privatpersonen. Die lange Menschenkette, die Laternen, die Trommler, kurze Reden, an die Wand des Rathauses projizierte Bilder: Es war beeindruckend. Großartig war das Interesse der Medien. Anschließend besuchten wir die Vernissage einer Kunstaktion, bei der unter anderem eine im Maßstab 1:1 aufgebaute Wohnung gezeigt wurde, die Videodokumentation sowie Fotos der Geschehnisse und Aktionen der letzten zwei Jahre, Kinderzeichnungen und das Modell einer Wohnung, wo versucht werden konnte, diese mit den vorhandenen Möbeln einzurichten. Muss man erwähnen, dass dies nicht möglich ist? Entweder keine Betten oder keine Sessel … Sehr aufschlussreich waren die Gespräche mit Betroffenen. Diese sind in den letzten zwei Jahren von „Opfern“ zu Menschen geworden, die sehr selbstbewusst ihr Schicksal zum Besseren zu wenden versuchen.

Nach einem Besuch am Dienstag in der Siedlung Pata Rap, wo wieder die Gespräche im Vordergrund standen, wir aber auch einen Eindruck der Wohnverhältnisse gewinnen konnten, stand noch eine Konferenz an der Uni am Programm. Leider konnten wir die gesammelten Unterschriften an keine Vertreter der Stadt übergeben, die waren nicht gekommen (die Übergabe wird aber nachgeholt werden). Bei dieser Konferenz gab es viele Statements, Wortmeldungen und Diskussionen, aber wenig Konkretes. Wir werden also weiter Druck ausüben, damit der Wunsch der Community nach Wohnungen in der Stadt Wirklichkeit wird.

Was ist mein persönliches Resümee? In den langen Jahren, in denen ich mich ehrenamtlich bei Amnesty International engagiere, gab es sehr selten Begegnungen mit Betroffenen (die Ausnahme, die unsere Gruppe erleben durfte, war Wladimir Borisow, der nach seiner Ausreise aus der Sowjetunion in Linz für einen Vortrag zur Verfügung stand). In Cluj konnten wir mit den Betroffenen reden, uns in ihre Situation denken, aber wir konnten auch ihnen zeigen, wer die sind, die sich aus dem Ausland für sie einsetzen. Ich denke, es war ein Treffen auf Augenhöhe. Diese Reise war für Amnesty eine internationale Premiere, eine Aktion in einem anderen Land war noch nie gemacht worden. Unsere Stärke, durch Druck auf Regierungen zu Ergebnissen zu kommen und Menschenrechte durchzusetzen, konnte hier wieder eindrucksvoll gezeigt werden. Ich denke, diese Reise war ein Erfolg, wert, wiederholt zu werden.

Weitere Informationen mit Foto-Slideshow auf www.amnesty.at .

Bernhard Kastl