40 Jahre für 30 Artikel
Die größte Menschenrechtsorganisation der Welt, Amnesty International (AI), die derzeit etwa drei Millionen Mitglieder hat, wurde im Mai vorigen Jahres 50. Und die Linzer AI-Gruppe 8 wird im April dieses Jahres 40. Eine kurze Zwischenbilanz aus Gruppensicht.
Es begann alles am 11. April 1972: An diesem Tag erhielt Pater Jakob Förg von der Londoner AI-Zentrale die offizielle Bestätigung der Gruppengründung.
In den ersten Jahren beschäftigten wir uns vor allem mit der Arbeit für „gewaltlose Gewissensgefangene“, dem ursprünglichen Aufgabengebiet von AI. „Ein Gefangener aus dem Westen, einer aus dem Osten und einer aus der Dritten Welt“, lautete damals die goldene Regel der Gruppenarbeit, um die Unparteilichkeit und Ausgewogenheit unserer Organisation sicherzustellen. So stammten die von uns betreuten „Gewissensgefangenen“ u. a. aus Angola, Indien, der Sowjetunion, den Philippinen, Peru, Chile, Brunei, der Türkei, Somalia, den von Israel besetzten Gebieten, Sri Lanka, Syrien und Kuwait.
Im Verlauf der Jahrzehnte haben sich jedoch die Schwerpunkte unserer Gruppenarbeit – gemäß den Vorgaben der internationalen Bewegung – stark verändert: weg von der klassischen „Gefangenenarbeit“, hin zu gezielten „Themenkampagnen“. So beschäftigen wir uns heutzutage – neben der traditionellen Arbeit gegen Folter und Todesstrafe – beispielsweise mit Menschenrechtsverletzungen an Frauen, mit der Diskriminierung der Roma, mit Zwangsumsiedlungen oder mit menschenrechtlichen Aspekten der Ölkatastrophe im Nigerdelta. Die Devise lautet jetzt: „Alle Menschenrechte für alle.“
Unsere 40-jährige Gruppengeschichte ist – natürlich – geprägt von (tatsächlichen) Erfolgen und (vermeintlichen) Misserfolgen. Menschenrechtsarbeit ist oft mühsam. Und es bedarf des langen Atems derer, die sie sich aus persönlicher Überzeugung zur Aufgabe gemacht haben.
Wenn man sich vier Jahre lang intensiv für eine dreiköpfige Familie aus Chile, die nach dem Militärputsch „verschwunden“ war, einsetzt, um deren Schicksal aufzuklären, und man schließlich erfährt, dass diese Menschen sofort ermordet worden waren und ihre sterblichen Überreste in einem aufgelassenen Bergwerk aufgefunden wurden, bedeutet dies natürlich einen schweren Rückschlag.
Wenn man 14 Jahre lang einen Bauern aus Brunei als „Gewissensgefangenen“ – scheinbar erfolglos – betreut und man dann völlig überraschend erfährt, er sei freigelassen worden, ist das nicht nur eine Bestätigung für die Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit, sondern es steigert auch die Motivation für menschenrechtliches Engagement enorm.
Unsere Gruppe betreibt äußerst intensiv Öffentlichkeitsarbeit, eine Kernaufgabe von AI: Infostände, Bücherflohmärkte, Schulvorträge, Ausstellungen und Konzerte gewährleisten den persönlichen Kontakt zu unseren UnterstützerInnen. Eine monatliche Radiosendung und eine professionell gestaltete Website stellen sicher, dass wir unsere Inhalte einem breitgestreuten Kreis an InteressentInnen präsentieren können.
Unsere Gruppe war und ist auch stets bemüht, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken: Viele unserer Mitglieder besuchen menschenrechtsbezogene Fortbildungsveranstaltungen und nehmen an regionalen und nationalen Treffen teil oder organisieren diese. Einige Gruppenmitglieder hatten und haben auch auf österreichweiter, ja sogar internationaler Ebene Funktionen inne.
Das bei AI Österreich weitverbreitete, zuweilen für die betroffenen Gruppen existenzbedrohende Problem des „Mitgliederschwundes“ betrifft uns derzeit kaum: Fluktuationen in der personellen Zusammensetzung werden in den meisten Fällen durch „Neuzugänge“ kompensiert, sodass einerseits ein gleichbleibend hoher Aktivitätslevel gewährleistet ist und andererseits sich die Arbeitsbelastung der einzelnen – allesamt ehrenamtlich tätigen – Gruppenmitglieder in vertretbaren Grenzen hält.
Einer positiven Weiterentwicklung unserer AI-Gruppe 8 steht also nichts im Wege. Unterstützen Sie uns bitte dabei!
Johann Schnellinger

Die Gruppe08 von Amnesty International Österreich ist in Linz zuhause. Wir treffen uns alle drei Wochen mittwochs um 19.30.