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Archive for April, 2012

Die vergessene Ölpest. Clean Up the Niger Delta.

April 21, 2012 By: Gruppe08 Category: Allgemein 1 Comment →

Shell muss eine Milliarde Dollar zur Reinigung bezahlen

Nigeria, im Westen Afrikas mit der Hauptstadt Abuja, ist mit ca. 924.000 km² eines der größten Länder dieses Kontinents. In 32 Bundesstaaten mit ca. 150 Mio. Menschen gibt es ungefähr 400 verschiedene Ethnien und Sprachen. Die Volksgruppen Haussa, Yoruba und Ibo machen etwa 60 % der Bevölkerung aus, 50 % sind Muslime, 45 % Christen und 5 % andere Glaubensrichtungen. Seit 1960 ist Nigeria ein unabhängiger Staat, seit 1999 Präsidialdemokratie und Sitz der ECOWAS (The Economic Community Of West African States).

In letzter Zeit ist das Land durch die blutigen Anschläge der radikalislamischen Sekte Boko Haram im Nordosten Nigerias in den Schlagzeilen. Weniger bekannt ist die Tragödie im Niger-Delta, die schon Jahre währt. Aufsehen erregte diese Region 1995 mit der Hinrichtung des Schriftstellers und Umweltschutzaktivisten Ken Saro Wiwa und acht seiner Gefährten.

1956 wird in Nigeria Erdöl entdeckt. Der Staat ist der größte Produzent Afrikas,weltweit die Nr. 12. Die Ölförderung macht 80 % der Staatseinnahmen aus, geschätzte 600 Milliarden US-Dollar. Es gibt 5000 Bohrquellen und 7000 km Leitungen. Firmen, die in Nigeria Öl fördern,sind Shell, Total, ENI, Chevron und ExxonMobil. Größter ausländischer Investor ist die Shell Petroleum Development Company (SPDC), Tochter von Royal Dutch Shell. Allein SPDC operiert auf einem Gebiet von 31.000 km², etwa Nieder- und Oberösterreich zusammen.

Trotz großer Ölvorkommen ist das Niger-Delta extrem unterentwickelt. 30 Mio. Menschen leben dort, 60 % von Landwirtschaft und Fischerei. Die Lebenserwartung ist um zehn Jahre geringer als in anderen Teilen Nigerias. Sicherheitsmängel und Armut begünstigen Sabotage undRaub. Seit 2004 werden militante Widerstandsgruppen immer mehr. An den Leitungen gibt es vermutlich 300 Lecks im Jahr. Diese gelten als Hauptgrund für die massive Umweltverschmutzung in dieser Region. Geschätzte 2 Mio. Tonnen Rohöl gelangten bisher ins Ökosystem. ExpertInnen halten die Dunkelziffer für weitaus höher. Aus Förderanlagen wird verseuchtes Abwasser in die Flüsse geleitet. Wenn überhaupt, starten die Unternehmen erst Monate später mit einer teilweisen, meist inadäquaten Reinigung.

Bei der Vergabe der Förder- und Produktionsverträge erhalten Unternehmen automatisch Zugang zu Land. Lokale Gemeinden haben kein Recht auf die Gas- und Ölvorkommen auf ihrem Grund. Die Kontrolle der Erdölförderung ist mangelhaft. Gesetze und Vorschriften zur Einhaltung der internationalen Standards sowie des Umweltschutzes gibt es, in derPraxis werden diese aber ignoriert. Erforderliche Maßnahmen, um Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden zu verhindern, werden somit nicht umgesetzt. Ölfirmen fordern staatliche Sicherheitskräfte an, um Proteste gewaltsam niederzuschlagen und bekommen diese problemlos.

AI Netherlands

Besonders betroffen ist die ärmere Landbevölkerung. Die mögliche Verbesserung ihrer Lebenssituation ist nicht eingetreten, im Gegenteil. Ihre Existenzgrundlagen wurden zerstört. Eine weitere Folge sind gesundheitliche Probleme, da die Menschen verschmutztes Wasser trinken und damit kochen müssen. Die Fische sind mit Erdöl und anderen Giften kontaminiert, die Luft durch Erdöl und Gas verseucht.

Die meisten Fälle, über die AI berichtet hat, beziehen sich auf Shell. 1993 zog sich Shell aus dem Ogoniland, nicht aber aus dem Niger-Delta zurück (2009 zahlte Shell 15 Mio. $ an Ken Saro Wiwas Familie). Shell hat die dort verbleibenden Anlagen nicht gesichert und gewartet. Nach wie vor wird Öl durch Shell-Pipelines aus anderen Teilen dieser Region durch das Ogoniland transportiert.

Im Sommer 2011 stellt ein Bericht des UNO-Umweltprogramms UNEP fest, dass sich die Geschäfte von Shell auf die Menschenrechtssituation im Ogoniland verheerend ausgewirkt haben. Die über Jahrzehnte andauernde Ölverschmutzung hat einen derartigen Schaden angerichtet, dass es mindestens 25 Jahre dauern könnte, bis sich das Gebiet erholt haben wird. Die UNO empfahl die Gründung eines Umweltsanierungsfonds mit einer Milliarde US-Dollar als Startkapital.

Zwei Berichte von AI (2009 und 2011) belegen zusätzlich, dass die Ölindustrie für die weit verbreitete Umweltverschmutzung und die damit in Zusammenhang stehenden Menschenrechtsverletzungen im Niger-Delta verantwortlich ist. AI und Friends of the Earth International brachten im Jänner 2011 eine Beschwerde wegen Verletzung der Grundsätze einer verantwortungsvollen Unternehmensführung der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) ein. Shell wird vorgeworfen, irreführende Informationen verbreitet zu haben, um die Schuld größtenteils auf Sabotageakte abzuwälzen. AI fordert von Shell, die Empfehlung im UNEP-Bericht umzusetzen und eine Milliarde US-Dollar als Startkapital für die Sanierung des Gebietes zu zahlen. Aktuelle Informationen finden Sie unter nigerdelta.amnesty.at.

Sylvia Pumberger

 

Quellen:
Amnesty International: Nigeria. Petroleum, pollution and poverty in the Niger Delta. (Juni 2009)
Amnesty International: The True Tragedy. Delays and failures in tackling oil spills in the Niger Delta. (November 2011, Öffentliche Erklärungen von Amnesty International)
Alle Informationen zugänglich über www.amnesty.org.

 

40 Jahre für 30 Artikel

April 11, 2012 By: Gruppe08 Category: Allgemein Comments Off on 40 Jahre für 30 Artikel

Die größte Menschenrechtsorganisation der Welt, Amnesty International (AI), die derzeit etwa drei Millionen Mitglieder hat, wurde im Mai vorigen Jahres 50. Und die Linzer AI-Gruppe 8 wird im April dieses Jahres 40. Eine kurze Zwischenbilanz aus Gruppensicht.

Es begann alles am 11. April 1972: An diesem Tag erhielt Pater Jakob Förg von der Londoner AI-Zentrale die offizielle Bestätigung der Gruppengründung.

In den ersten Jahren beschäftigten wir uns vor allem mit der Arbeit für „gewaltlose Gewissensgefangene“, dem ursprünglichen Aufgabengebiet von AI. „Ein Gefangener aus dem Westen, einer aus dem Osten und einer aus der Dritten Welt“, lautete damals die goldene Regel der Gruppenarbeit, um die Unparteilichkeit und Ausgewogenheit unserer Organisation sicherzustellen. So stammten die von uns betreuten „Gewissensgefangenen“ u. a. aus Angola, Indien, der Sowjetunion, den Philippinen, Peru, Chile, Brunei, der Türkei, Somalia, den von Israel besetzten Gebieten, Sri Lanka, Syrien und Kuwait.

Im Verlauf der Jahrzehnte haben sich jedoch die Schwerpunkte unserer Gruppenarbeit – gemäß den Vorgaben der internationalen Bewegung – stark verändert: weg von der klassischen „Gefangenenarbeit“, hin zu gezielten „Themenkampagnen“. So beschäftigen wir uns heutzutage – neben der traditionellen Arbeit gegen Folter und Todesstrafe – beispielsweise mit Menschenrechtsverletzungen an Frauen, mit der Diskriminierung der Roma, mit Zwangsumsiedlungen oder mit menschenrechtlichen Aspekten der Ölkatastrophe im Nigerdelta. Die Devise lautet jetzt: „Alle Menschenrechte für alle.“

Unsere 40-jährige Gruppengeschichte ist – natürlich – geprägt von (tatsächlichen) Erfolgen und (vermeintlichen) Misserfolgen. Menschenrechtsarbeit ist oft mühsam. Und es bedarf des langen Atems derer, die sie sich aus persönlicher Überzeugung zur Aufgabe gemacht haben.

Wenn man sich vier Jahre lang intensiv für eine dreiköpfige Familie aus Chile, die nach dem Militärputsch „verschwunden“ war, einsetzt, um deren Schicksal aufzuklären, und man schließlich erfährt, dass diese Menschen sofort ermordet worden waren und ihre sterblichen Überreste in einem aufgelassenen Bergwerk aufgefunden wurden, bedeutet dies natürlich einen schweren Rückschlag.

Wenn man 14 Jahre lang einen Bauern aus Brunei als „Gewissensgefangenen“ – scheinbar erfolglos – betreut und man dann völlig überraschend erfährt, er sei freigelassen worden, ist das nicht nur eine Bestätigung für die Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit, sondern es steigert auch die Motivation für menschenrechtliches Engagement enorm.

Unsere Gruppe betreibt äußerst intensiv Öffentlichkeitsarbeit, eine Kernaufgabe von AI: Infostände, Bücherflohmärkte, Schulvorträge, Ausstellungen und Konzerte gewährleisten den persönlichen Kontakt zu unseren UnterstützerInnen. Eine monatliche Radiosendung und eine professionell gestaltete Website stellen sicher, dass wir unsere Inhalte einem breitgestreuten Kreis an InteressentInnen präsentieren können.

Unsere Gruppe war und ist auch stets bemüht, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken: Viele unserer Mitglieder besuchen menschenrechtsbezogene Fortbildungsveranstaltungen und nehmen an regionalen und nationalen Treffen teil oder organisieren diese. Einige Gruppenmitglieder hatten und haben auch auf österreichweiter, ja sogar internationaler Ebene Funktionen inne.
Das bei AI Österreich weitverbreitete, zuweilen für die betroffenen Gruppen existenzbedrohende Problem des „Mitgliederschwundes“ betrifft uns derzeit kaum: Fluktuationen in der personellen Zusammensetzung werden in den meisten Fällen durch „Neuzugänge“ kompensiert, sodass einerseits ein gleichbleibend hoher Aktivitätslevel gewährleistet ist und andererseits sich die Arbeitsbelastung der einzelnen – allesamt ehrenamtlich tätigen – Gruppenmitglieder in vertretbaren Grenzen hält.

Einer positiven Weiterentwicklung unserer AI-Gruppe 8 steht also nichts im Wege. Unterstützen Sie uns bitte dabei!

Johann Schnellinger

Filmabend “The Lady” am 6.4.2012 im City Kino

April 02, 2012 By: Gruppe08 Category: Allgemein Comments Off on Filmabend “The Lady” am 6.4.2012 im City Kino

FILMABEND „The Lady“
in Kooperation mit Amnesty International Gruppe 8, Linz

Freitag, 06.04.2012
Beginn: 20.00 Uhr
im City Kino in Linz

Mehr als 15 Jahre verbrachte Aung San Suu Kyi unter Hausarrest. In zahlreichen öffentlichen Aktionen und nach jahrelanger Menschenrechtsarbeit begrüßte Amnesty International 2010 die Freilassung der “Lady”, wie Anhänger in ihrer Heimat sie nennen. Meisterregisseur Luc Besson hat nun die faszinierende Lebensgeschichte der Friedensnobelpreisträgerin verfilmt. Im Anschluss an die Premiere am 06.04. findet ein Gespräch über die aktuellen Entwicklungen in Burma/Myanmar statt, Gäste:

Margot Pires – Austrian Burma Center, Wien

Khin Myint-Mitter – kommt aus Burma, lebt in Linz