Eine neue UNO-Konvention soll dem „Verschwinden lassen“ Einhalt gebieten. Werden Sie aktiv!
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Als “Verschwinden lassen” wird eine Form von staatlicher Gewalt bezeichnet, bei der eine Person, häufig durch staatliche Geheimdienste, festgenommen und in Haft gehalten wird. Die Festnahme wird geleugnet und der Aufenthaltsort der Person wird nicht bekannt gegeben. Angehörige erhalten keinerlei Informationen über die “Verschwundenen” und werden über deren Schicksal im Ungewissen gelassen. “Verschwinden lassen” ist meistens mit Folter verbunden, da die in die Verschleppung involvierten Personen keinem Gericht und keiner Behörde Rechenschaft ablegen müssen. Viele der “Verschwundenen” werden auch getötet.
Amnesty International verurteilt “Verschwinden lassen” als eine besonders schwerwiegende Menschenrechtsverletzung.
Sylvia Pumberger
Lied der Verschwundenen
Dreh’n wir das Rad der Geschichte weiter
das Leben ist eine Tretmühle
der Mensch ein Vogel darin.
Seltsame Dinge geschehen,
die uns bei geöffneten Augen
stachelig erscheinen.
Durch einen Kunstgriff der Welt
verschwindet der Geliebte.
Sag’ mir da nicht so einfach:
Hier ist alles in Ordnung.
Ich habe es erlebt.
In diesem selben Konzert
gab ich mich verloren.
Weil ich ein Zeuge bin,
ist mein Körper
Beweis für viele Freunde.
In den Kerkergängen der Welt
verschwindet der Bruder
Sag’ mir da nicht so einfach:
Du führst doch was im Schild!
Ergreifen wir Partei,
zählen wir schmerzende
Sprechchöre auf
Verstärkt ihre Stimmen!
Zählt die Folter hinzu
und wenn Du einen Maulkorb trägst,
dann halte Deinen Mund.
Wenn in einer Höhle der Welt
Dein Sohn verschwindet
Dann sag’ mir nicht so einfach:
Hättest Du’s mir doch erzählt.
Wer Trost will, dem erzähle ich,
daß er den Schuldigen nicht finden wird
solang’ er an den Himmel glaubt.
Ratsamer ist es
sich die Binde vom Auge zu nehmen.
Kapierst Du, was ich meine?
In einem Tunnel der Welt
verschwinden die Menschen.
Mann!
Das ist kein Gerücht
Das ist zur Gewohnheit geworden.
Du bist auf ein Rad geflochten
Es dreht sich weiter mit Dir
Bleib steh’n wenn Du kannst
Das Rad bringt alles wieder
Es dreht sich weiter mit Dir
Und bringt einen Weg
aus
Terror und Folter,
Gefängnis und Klage.
Wenn in den Straßen der Welt
das Leben verschwindet,
sag’ mir da nicht so einfach:
verloren ist eben verloren.
Denn wie das Sprichwort sagt:
wer die Hoffnung verliert, wird alles verlier’n.
Auf dem Holzweg ist,
wer glaubt,
daß der Verlorene
vergessen ist.
Wenn in einer Ecke der Welt
der Sänger verschwindet,
sag’ mir nicht so einfach:
Mein Gott, was für ein Schreihals!
Leg’ doch den Spiegel mal weg,
Wirst seh’n, daß Du im Unrecht bist
Und wenn Du meinst, daß es nur Lieder sind
DANN GIB MIR DEN VATER ZURÜCK!
und ich will meine Klappe halten.
Abgehärtet seid ihr, Gefährten
im weiten Strom der Welt
zusammen werden wir singen
‘loslassen den Schrei
den Gesang der Verschwundenen.
Sergio Vesely
aus „Suche nach M.“ Schriften für amnesty international 2
Herausgegeben von Autorenkollektiv 79, AS-Verlag, 1981
Am 30. August war der Internationale Tag der Verschwundenen.